Forum Ökonomie feiert Jubiläum

Kinder- und Jugendrehabilitation

Am 11.06.18 tagte der Arbeitskreis der kaufmännischen Leiter der Rehabilitationskliniken für Kinder und Jugendliche, das Forum Ökonomie, zum 30. Mal. Die Jubiläumssitzung fand bei der DRV Westfalen in Münster statt. Zum ersten Mal trafen sich die Teilnehmer des Forums Ökonomie vor 15 Jahren am 15.03.03 bei der BAR in Frankfurt.

Flexirentengesetz und Bundesteilhabegesetz schaffen neue Leistungen und Möglichkeiten

Sitzungsgastgeber Thomas Keck, Erster Direktor der DRV Westfalen, nahm zur aktuellen Situation der Kinder- und Jugendreha Stellung. Die Talsohle des in den vergangenen Jahren zu verzeichnenden Antragsrückgangs scheint durchschritten und die Zahl der Antragsablehnungen ist deutlich zurückgegangen. Gleichwohl sieht Keck einen deutlich höheren Bedarf an diesen Leistungen als derzeit bei der Rentenversicherung in Form von Anträgen zu verzeichnen ist. Eine Ursache sieht Keck unter anderem in Defiziten bei der Wissens- und Informationsvermittlung sowie in der Kommunikation. In der Konsequenz stellen die Eltern gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten einfach zu wenige Anträge auf Kinder- und Jugendrehabilitationen, weil das Angebot nicht bekannt ist.

Große Bedeutung misst Keck dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) bei. Durch das BTHG wurde für alle Rehabilitationsträger explizit geregelt, dass der Rehabilitationsbedarf der Betroffenen individuell, funktionsbezogen und in seiner Gesamtheit zu ermitteln ist. Die erforderlichen Leistungen werden in einem Teilhabeplan zusammengestellt, aufeinander abgestimmt und zwischen den verschiedenen Leistungsträgern koordiniert. Die Rehabilitation erfährt somit einen Paradigmenwechsel weg von ihrer engen Betrachtung der Rehabilitationsziele und -empfehlungen der verschiedenen Leistungsträger hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Gesundheitssituation des Betroffenen einschließlich seiner personen- und umweltbezogenen Faktoren. Die Rehabilitation der gesetzlichen Rentenversicherung wird Teil der gesamten gesundheitlichen Hilfen bzw. Versorgungskette und arbeitet trägerübergreifend zusammen („Leistungen wie aus einer Hand“).

Eine weitere gesetzliche Änderung stellt das Flexirentengesetz dar, welches die Kinder und Jugendlichen beim Erhalt der Schul- und Ausbildungsfähigkeit auf dem Weg hin zur Erlangung der Erwerbsfähigkeit unterstützt. Entscheidend für den Erfolg dieser gesetzgeberischen Initiative mit den neuen Leistungen für die Kinder und Jugendlichen ist laut Thomas Keck die Änderung der Haltung und Einstellung bei allen Beteiligten.

Keine Panikmache wegen der EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO)

Andrea Vogt, Leiterin des Referats Informationssicherheit und Datenschutzbei bei der DRV Westfalen, hält die kritische Darstellung der EU-DSGVO in den Medien für unberechtigt. Der erste offizielle Entwurf ist bereits sechs Jahre alt, vor zwei Jahren trat das EU-Gesetz in Kraft, mit den nationalen Anpassungen wurde es am 25.05.18 in Deutschland wirksam. So bestand einerseits genügend Zeit sich damit auseinanderzusetzen und andererseits bestand bisher schon ein hoher Anspruch an den Datenschutz. Mit der EU-DSGVO grundlegend geändert haben sich einige Begrifflichkeiten, Dokumentationspflichten, eine Datenschutz-Folgenabschätzung, Informationspflichten gegenüber den Beteiligten und die Meldung von Datenschutzverletzungen. Vogt empfiehlt den Kliniken eine Bestandsaufnahme zu machen, die Information der Patienten zu aktualisieren und die EDV-Sicherheit zu überprüfen. Die Kliniken benötigen selbst oder über ihren Träger einen Datenschutzbeauftragten, eine interne Datenschutzrichtlinie und sollten eine Datenschutz-Folgeabschätzung durchführen.

Die Rehakliniken für Kinder und Jugendliche stehen vor großen Herausforderungen

Die Rehakinderkliniken werden die geforderten Anpassungen an den Datenschutz vornehmen, wie bei anderen Veränderungen der Vergangenheit auch. Grundlegender sind die Veränderungen die sich durch das Flexirentengesetz, das BTHG und die aktuellen Entwicklungen ergeben. Um zum Beispiel eine ambulante Kinder- und Jugendreha anbieten oder die Familienangehörigen stärker einbinden zu können, sind neue Konzepte notwendig und Investitionen in Gebäude. Insbesondere die zu erwartende deutliche Zunahme von Begleitpersonen nötigt die Betreiber zu großen finanziellen Investitionen. Eine andere Entwicklung beschäftigt zunehmend die Klinikleitungen: es wird immer aufwändiger, die Stellen zu besetzen, seien es für Ärzte, Therapeuten oder Pflege- und Betreuungskräfte.

Der langjährige Austausch

im Forum Ökonomie stärkt die Kinder- und Jugendreha

Die Rehakliniken konkurrieren zwar um Patienten, Konzepte und Innovationen, haben aber viele gemeinsame Interessen, wie die, chronisch kranken Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu helfen. Die gemeinsamen Interessen in einem sich verändernden Umfeld führte zu Beginn dieses Jahrtausend zur Gründungen einer medizinischen Fachgesellschaft, der Dt. Gesellschaft für pädiatrische Rehabilitation und Prävention e.V. Um sich neben inhaltlichen Themen auch über kaufmännische Themen auszutauschen, entstand 2003 das Forum Ökonomie. Rund die Hälfte aller kaufmännischen Leiter der Rehakinderkliniken trifft sich seither zwei Mal im Jahr, um sich den Fragen der Organisation, des Betriebs und der Finanzierung zu widmen. Die Treffen finden abwechselnd bei den Leistungsträgern statt. An den ersten Tagesordnungspunkten nimmt der Gastgeber teil und berichtet über aktuelle Entwicklungen aus Sicht des Leistungsträgers. Dieser regelmäßige Austausch zwischen Leistungsträger und Leistungserbringer hat sich besonders bewährt. In der Rückschau anlässlich der Jubiläumssitzung lässt sich sagen, dass die Treffen zu einer Stärkung der einzelnen Kliniken und grundsätzlich zur Stärkung der Kinder- und Jugendreha geführt haben.


Alwin Baumann
Sprecher Bündnis für Kinder- und Jugendreha e.V.
a.baumann@bkjr.de, www.kinder-und-jugendreha-im-netz.de

Foto (DRV Westfalen): Teilnehmer des Forums Ökonomie am 10.06.18 in Münster. Zweiter von rechts: Thomas Keck (ED DRV WF), Vierte von rechts: Barbara Hassenkamp (Rehaleiterin, DRV WF)

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